Ein Zeckenstich bleibt oft unbemerkt. Trotzdem ist es wichtig, zu wissen, was danach im Körper passieren kann. Während ein Stich von einer nicht infizierten Zecke meist harmlos verläuft, kann eine infizierte Zecke Krankheitserreger übertragen. Die beiden bekanntesten Erkrankungen sind die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), verursacht durch das FSME-Virus, und die durch Bakterien übertragene Borreliose. Je nach Erregertyp entwickeln sich unterschiedliche Symptome. Manchmal treten diese sofort auf, manchmal erst Wochen später.
Was passiert bei einem Stich durch eine nicht infizierte Zecke?
Wenn die Zecke keine Krankheitserreger in sich trägt, bleibt der Stich größtenteils ohne Folgen. Möglicherweise entsteht an der Einstichstelle eine kleine Hautrötung oder ein leichter Juckreiz. Das ist eine normale Reaktion der Haut auf den Fremdkörper. In solchen Fällen ist keine spezielle Behandlung notwendig. Die Rötung sollte in den folgenden Tagen von selbst abklingen.
Allerdings kann es bei empfindlicher Haut auch zu einer leichten Entzündungsreaktion, ähnlich wie bei einem Mückenstich, kommen. Falls die Einstichstelle anschwillt, nässt oder schmerzt, sollte beobachtet werden, ob sich eine lokale Infektion entwickelt. Das ist selten, kann aber durch Bakterien passieren, die von außen in die Wunde gelangen.
Zecke als Überträger von Krankheiten
Nicht jede Zecke überträgt Krankheitserreger. Aber wenn doch, hängen Art und Verlauf der Beschwerden davon ab, welcher Erregertyp übertragen wurde. Zwei Krankheiten sind besonders relevant, FSME und Borreliose.
Borreliose – Bakterielle Infektion
Borreliose, auch Lyme-Borreliose genannt, wird durch Borrelia-Bakterien verursacht. Diese Bakterien befinden sich im Darm der Zecke und gelangen meist erst nach mehreren Stunden Saugzeit in den Körper. Ein schnelles Entfernen der Zecke kann daher das Infektionsrisiko senken.
Frühe Anzeichen (innerhalb von Tagen bis Wochen):
Ein häufiges erstes Symptom ist die sogenannte Wanderröte. Dabei handelt es sich um eine ringförmige Rötung um die Einstichstelle. Sie kann größer als 5 cm werden, verblasst meist in der Mitte und wächst langsam weiter. Diese Rötung juckt oft nicht, ist schmerzlos und wird daher leicht übersehen. Weitere frühe Symptome können, wie bei einer Grippe, leichtes Fieber, Müdigkeit, Kopfschmerzen oder Muskel- und Gelenkschmerzen sein.
Spätfolgen (nach Wochen bis Monaten):
Wird die Borreliose nicht erkannt und behandelt, kann sie auf das Nervensystem oder die Gelenke übergreifen. Mögliche Beschwerden sind dann Lähmungen, brennende Nervenschmerzen oder chronische Gelenkentzündungen, besonders an Knien oder Ellenbogen
FSME – Virale Infektion
FSME wird durch ein Virus ausgelöst, das bereits kurz nach Beginn des Blutsaugens durch den Speichel der Zecke übertragen werden kann. Deshalb schützt in diesem Fall auch eine schnelle Zeckenentfernung nicht sicher vor einer Infektion.
Krankheitsverlauf in zwei Phasen:
Die meisten Infizierten zeigen keine oder nur leichte Beschwerden. Bei einem Teil der Betroffenen entwickelt sich die Krankheit jedoch in zwei Phasen:
- Erste Phase (nach etwa 7 bis 14 Tagen):
Grippeähnliche Symptome wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, allgemeines Krankheitsgefühl. Diese Phase dauert oft wenige Tage und klingt dann scheinbar ab. - Zweite Phase (nach kurzer Pause):
Bei rund 10 % kommt es zu einer Entzündung von Gehirn, Hirnhäuten oder Rückenmark. Symptome können dann Nackensteifigkeit, starke Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Schwindel, Lichtempfindlichkeit oder sogar Lähmungen sein. In schweren Fällen kann FSME bleibende neurologische Schäden hinterlassen oder sehr selten auch tödlich verlaufen.
Gegen FSME gibt es eine Impfung, die besonders Bewohnern von FSME-Risikogebieten empfohlen wird oder Menschen, die dorthin reisen.
Wann solltest Du zum Arzt?
Nicht jeder Zeckenstich muss medizinisch behandelt werden. Dennoch ist es wichtig, den Verlauf im Auge zu behalten. Wenn sich nach dem Stich eine ringförmige Rötung entwickelt, grippeähnliche Beschwerden auftreten oder sogar neurologische Symptome, sollte ärztlicher Rat eingeholt werden. Auch wenn Unsicherheit über den Impfstatus besteht, kann ein Arztbesuch sinnvoll sein.
Zusammenfassung:
Was Du nach einem Zeckenstich wissen solltest
Nicht infizierte Zecke:
- Möglicherweise leichte Hautreaktion
- Keine Krankheitssymptome
Infizierte Zecke:
- Borreliose (Bakterien)
- Frühzeichen: Wanderröte, grippeähnliche Beschwerden
- Später: Gelenk- und Nervenerkrankungen
- FSME (Viren)
- Zwei-Phasen-Verlauf mit grippeähnlichen Symptomen und möglicher Gehirnentzündung
- Schutz durch Impfung möglich
Allgemein:
- Frühes Entfernen der Zecke verringert Borreliose-Risiko
- FSME-Virus kann sehr schnell übertragen werden
- Arztbesuch bei auffälligen Symptomen oder unsicherer Lage ratsam
Merkpunkte in Kurzform:
- Rötung nach Stich ist nicht automatisch gefährlich
- Ringförmige Rötung (Wanderröte) kann Borreliose anzeigen
- FSME kann schwer verlaufen – besonders bei Erwachsenen
- Zecke möglichst früh entfernen, am besten mit einer Zeckenkarte oder Zeckenzange
- Arztbesuch bei grippeähnlichen oder neurologischen Symptomen
- FSME-Impfung kann schützen
- Stichstelle in den Wochen nach dem Stich regelmäßig kontrollieren
Quellen und weiterführende Links
Robert Koch-Institut (RKI):
https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_FSME.html
https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/B/Borreliose/Borreliose.html
Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA): https://www.infektionsschutz.de/krankheiten/zeckenstich-borreliose-fsme.html
Deutsches Grünes Kreuz e.V.: https://www.dgk.de/gesundheit/zecken/zecken-krankheiten.html
























